Die Europäische Kommission (EU KOM) stellt unter Verantwortung der Generaldirektion Migration und Inneres (DG HOME) u.a. den Inneren Sicherheitsfonds (ISF) zur Verfügung. Dieser ist Teil des "EU-Innenfonds" (Home Affairs Funds) und hat eine Stärkung der inneren Sicherheit in der Europäischen Union (EU) zum Ziel.

Ergebnisse des 2. Projektjahres von MaDe


Das im Dezember 2023 gestartete ISF-Projekt MaDE in Deutschland hat das Ziel die forensische Entomologie als Methode in der kriminalistischen Fallarbeit deutschlandweit zu etablieren und professionalisieren. Während im ersten Projektjahr der Kenntnis- und Anwendungsstand der forensischen Entomologie im deutschsprachigen Raum evaluiert wurde und der konkrete Handlungsbedarf identifiziert wurde, diente das zweite Projektjahr der Entwicklung eines Asservierungskonzeptes inklusive einer Anleitung für die korrekte Asservierung entomologischer Spuren an Tat- und Fundorten, Videos für die Asservierung an unterschiedlichen Fundorten (Freiland, Wohnung, Obduktion) und eines Katalogs entomologischer Spuren. In enger Zusammenarbeit mit den relevanten Dienststellen bei Polizei und Rechtsmedizin konnten Wissenslücken und mögliche Probleme bezüglich des Erkennens und Asservierens insektenkundlicher Spuren identifiziert werden. Auch herrschte ein Informationsdefizit hinsichtlich der Möglichkeiten der forensischen Entomologie bei der Aufklärung von Kapitalverbrechen.

Asservierungsanleitung


Die Umfrageergebnisse des ersten Projektjahres verdeutlichten das Fehlen einer bundesweit standardisierten Anleitung zur Asservierung entomologischer Spuren in der Fallarbeit. Zur Schließung dieser Lücke wurde im des zweiten Projektjahres eine 12-seitige Asservierungsanleitung entwickelt. Die Anleitung stellt grafisch die unterschiedlichen Entwicklungsstadien sowie typische Rückstände der beiden für die forensische Entomologie wichtigsten Insektenfamilien (Fliegen und Käfer) dar. Ergänzend werden Informationen zum Erscheinungsbild dieser Spuren sowie zu ihrer forensischen Relevanz und Verwendung in der Fallarbeit gegeben. Im weiteren Verlauf wird die Asservierung entomologischer Spuren systematisch beschrieben, differenziert nach Leichenfunden in Wohnungen, im Freiland sowie während der Sektion eines Leichnams. Dabei wird erläutert, welche Materialien (z. B. Pinsel, Löffel, Pinzetten) für die jeweilige Spur geeignet sind und in welchen Gefäßen die Asservierung erfolgen sollte. Ein besonderer Fokus lag darauf, ausschließlich Materialien zu empfehlen, die üblicherweise in Tatortkoffern vorhanden sind, um die Beschaffung zusätzlicher Ausrüstung zu vermeiden. Die Anleitung enthält zusätzlich detaillierte Hinweise zur Lagerung entomologischer Spuren mit und ohne Flüssigkeit sowie Erläuterungen, in welchen Fällen welches Vorgehen anzuwenden ist. Ergänzend wurde ein übersichtlicher Workflow zur Asservierung der Spur „Insekt“ entwickelt.

Dieser fasst die wesentlichen Arbeitsschritte für Fund- und Tatorte kompakt zusammen und enthält zusätzlich Kontaktdaten und Adressen forensischer Entomologinnen und Entomologen in Deutschland. Der Workflow ist als Kurzanleitung konzipiert und kann in Dienststellen ausgehängt werden. Zur standardisierten insektenkundlichen Datenerfassung wurde zudem ein dreiseitiges Formblatt erstellt, auf dem fallbezogene Informationen, insbesondere zur Lokalisation sowie zu den entnommenen Proben, dokumentiert werden können. Diese Formblätter sind für die Beifügung bei der Probenübermittlung vorgesehen.

Hier die Asservierungsanleitung downloaden:

Videos


Zur anschaulichen Vermittlung der korrekten Asservierung entomologischer Spuren sowie zur Darstellung typischer „Insektenverstecke“ an unterschiedlichen Fundorten wurde ein 3-teiliges Asservierungsvideo erstellt. Ziel war es, die Variabilität und die jeweiligen Herausforderungen der Spurensicherung in unterschiedlichen Szenarien praxisnah darzustellen. Als Grundlage dienten 360°-Aufnahmen, die an drei unterschiedlichen Orten angefertigt wurden: bei einem Leichenfund in einer Wohnung, im Freiland sowie während der Sektion eines Leichnams. Ergänzend zu den 360°-Aufnahmen wurden detaillierte Makroaufnahmen der entomologischen Spuren erstellt. Sämtliches Bildmaterial wurde mit der Software 3D-Vista zu einer interaktiven 3D-Tour zusammengeführt und als Windows-Anwendung umgesetzt, die eine virtuelle Begehung der unterschiedlichen Fundorte ermöglicht. Diese Touren werden auch als Schulungsmaterialien im dritten Projektjahr verwendet werden. Alle Videos wurden in Zusammenarbeit mit der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit (HöMS) erstellt.

In diesem Video wird die Asservierung entomologischer Spuren bei einem Leichenfund in einer Wohnung erläutert:

In diesem Video wird die Asservierung entomologischer Spuren bei einem Leichenfund im Freiland (Waldgebiet) erläutert.

Spurenkatalog


Die Ergebnisse der im Projekt durchgeführten Umfrage zeigten deutlich, dass entomologische Spuren nicht immer sicher erkannt werden und teilweise Unklarheiten in der Begrifflichkeit der unterschiedlichen Spuren bestehen. Zur Lösung dieses Problems und einer weiteren Vertiefung der Spur Insekt ist ein umfassender Spurenkatalog entwickelt worden. Der Katalog stellt nicht nur einzelne Arten vor, sondern fokussiert sich insbesondere auf die detaillierte fotografische Darstellung aller Entwicklungsstadien nekrophager Insekten (Ei, Larve, Puppe, Puparium). Ergänzend wurden grundlegende Informationen zu relevanten Einflussfaktoren wie der Temperatur, dem Vorgehen bei der Spurensuche in Wohnungen, im Freiland und während der Sektion, Besiedlungszeiten sowie zum Entwicklungszyklus und zur zeitlichen Abfolge nekrophager Insekten am Leichnam (Insektensukzession) vermittelt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der praxisnahen fotografischen Darstellung der Spuren in realistischen Umgebungen und an echten Fundorten. Im zweiten Teil des Spurenkatalogs werden die für die forensische Entomologie wichtigsten Insekten anhand standardisierter Steckbriefe vorgestellt. Diese enthalten Angaben zum äußeren Erscheinungsbild, zur Biologie, zum saisonalen Vorkommen, zur Entwicklungsgeschwindigkeit bei unterschiedlichen Temperaturen sowie zur forensischen Verwendung in der Fallarbeit. Der Spurenkatalog ist nicht als Bestimmungsschlüssel konzipiert, sondern dient der ersten Einordnung entomologischer Spuren sowie der fachlichen Unterstützung und Weiterbildung. Wenn sie den Spurenkatalog in ihrer Arbeit verwenden und herunterladen möchten, wenden sie sich bitte an Frau Dr. Lena Lutz (lutz@med.uni-frankfurt.de). Sie wird ihnen das Passwort für die PDF zu senden.

Hier den Spurenkatalog downloaden: